Lady of the Harbour
Seit 1997 komponierte Dorothee Becker inspiriert vom Leben im Duisburger Hafenstadtteil Ruhrort und einem Artikel in der Zeitschrift „Mare“ über ca. sechzig historisch verbürgte Fälle von Frauen, die im 18.Jhd. als Männer verkleidet zur See gefahren sind, den Liederzyklus „Lady of the Harbour“.
Erzählt wird darin die Geschichte einer Frau, die auf der Suche ist auf der Suche nach der eigenen Identität und einem lebenswerten Platz auf dieser Welt im allgemeinen und in der Gesellschaft im besonderen. Derart suchend klingen auch die Musikstücke: Zwischen deutschem Lied, französischem Chanson, amerikanischer Jazzballade und Folksong hat sich ein eigener Stil entwickelt, der merkwürdig anrührend die Zuhörer auf eine Reise über das große Blau entführt.
Die abendfüllende Open-air-Produktion „Lady of the Harbour. Song Dance Theatre” entsteht als gemeinsames Projekt der Sängerin mit der Tänzerin, Choreographin und Literaturperformerin Bettina Rutsch.
Die Inszenierung basiert auf einem Wechselspiel von Live-Gesang, Tanz- und Theatersequenzen. Die Rollenverteilung der beiden Darstellerinnen entspricht dem thematischen Zentrum des Projekts: Das Verhältnis von Utopie und Wirklichkeit spiegelt sich in dem szenischen Dialog zwischen der schwebenden Klarheit von Dorothee Beckers Stimme und dem eigenwilligen Bewegungsvokabular der Tänzerin Bettina Rutsch, die mit ihrem Körper gleichsam die physische Basis und Begrenztheit utopischer Glückserwartung auslotet. Einen besonderen Reiz gewinnt das Stück durch die Open-air-Kulisse des Duisburger Innenhafens und die Lichtstimmungen des Sonnenuntergangs und Abendhimmels.
www.bettinarutsch.de
PRESSE:
Innenhafen: Maritimes Tanztheater unter freiem Himmel
Von Rudolf Hermes
WAZ, 12.06.2004
„Der entspannte Open-Air-Theaterabend der beiden Duisburgerinnen war zweimal auf der Pontonbrücke am Innenhafen zu sehen. Der 1998 entstandene Liederzyklus „Lady of the Harbour“ von Dorothee Becker thematisiert schwerpunktmäßig das Leben am Wasser und das Fernweh.(…)
Beide Künstlerinnen erzählen vor der großartigen Kulisse des Innenhafens keine stringente Geschichte, sondern zeigen kleine Bilder und Szenen. Am stärksten ist das einstündige Projekt, wenn es sich ganz in die szenische Abstraktion begibt. Dann singt Dorothee Becker breitbeinig stehend eine ihrer ruhigen Piano-Balladen, während sie von Bettina Rutsch umtanzt wird.(…)
Die Songs von „Lady of the Harbour“ strömen meist ruhig mit Klavierbegleitung dahin. Dabei nehmen die Melodien nicht immer den einfachsten Weg manchmal gehen sie auch spannende Umwege.(…)
Wie hart im Nehmen beide Künstlerinnen sind, demonstrierten sie bei der Aufführung am Samstag. Da brach ein heftiger Wolkenbruch über die Aufführung herein. Während sich das Publikum unter seinen Schirmen verkroch, tanzten und sangen die Damen weiter.(…)“ |